Nichts um nichts. Grad auf.
Welt, das geht mich und dich an. Du gefällst mir nicht, ich gefall dir nicht, wir sind geschieden. Du gefällst mir nicht, weil ich dich kenne und weis, daß unter deiner süßen Lockspeise ein giftiger Angel steckt. Ich gefall dir nicht, weil du mich nicht kennst und nicht wissen willst, da du von meinem Vater-Unser dein täglich Brod hast. Ein Christ hat nicht Ursache sich an der Welt zu verlieben, denn sie ist eine häßliche Leah. Wie kann er etwas Gutes bei ihr finden, die ganz im Argen liegt? 1 Joh. 5, 19. Die Welt aber hat große Ursach einen Christen hoch zu halten, denn wenn kein Christ mehr darin ist, muß sie im Feuer untergehen, wie Sodom, da Lot hinaus war. 1 Mose 19, 15. Doch begehr ich nicht, daß mich die Welt liebe. Denn Gleichheit ist der Liebe Mutter. Hält sie viel von mir, so findet sie gewiß viel an mir, das ihr gleich ist. Das wollt ich nicht gern. Frömmigkeit kann sie an mir nicht lieben, weil sie selbst gottlos ist: darum, sei's so, ich gefalle der Welt nicht, sie gefällt mir nicht. Doch habe ich noch einen Vortheil vor ihr. Ich darf der Welt nicht zu Gefallen sein, wenn ich nicht will. Sie aber muß mir zu Willen sein auch wider ihren Willen, nach dem Willen meines Gottes. Sie muß mir täglich mein Brod geben; wenns in ihrem Willen stände, gäbe sie mir lieber den Tod und alles Unglück. Ich bin ihr Herr, sie ist mein Knecht. Sie dient mir, ich lohn ihr nicht. Sie trägt mich, ich zertrete sie. Sie speiset mich, ich danks ihr nicht. Ich bin ihr ein Fluch, 1 Cor. 4, 13., und sie muß mich doch segnen. Ich bin ihr zuwider, und sie muß mich doch leiden. Sie ist mein müde, und mag mein doch nicht los werden. Sie dräut mir den Tod und muß mich doch leben lassen. Sie kann mit aller ihrer Macht mir kein Härlein krümmen, ich kann mit keinem Seufzerlein ihre ganze Macht vernichten. Viel schadets mir, so ich der Welt gefalle. Denn was ihr gefällt, kann Gott nicht gefallen. Der Welt Freundschaft ist Gottes Feindschaft. Jac. 5, 5. Gott gefallen oder Menschen gefallen? sage mir, welches ist das beste? Ich halte es mit dem ersten. Wenig nützt es mir, ob ich der Welt gefalle. Denn was kann sie geben, die selbst arm ist? Wer nichts hat, giebt nichts. Was die Welt hat, gehöret nicht ihr, sondern meinem Gott. Der giebts und nimmts wem er will. Hat sie es heut, vielleicht hab ichs morgen. Nichts schadets mir, so ich der Welt mißfalle. Denn was kann sie mir nehmen? Mein Reichthum ist Vergnüglichkeit. Meine Ehre, Tugend. Meine Freude ein gut Gewissen. Mein Erbe der Himmel. Mein Ein und Alles der im Himmel wohnt. Viel nützt es mir, so ich der Welt mißfalle. Ihre Feindschaft, Gottes Freundschaft. Nimmt sie, Gott giebt, und mehr als sie nimmt. Betrübt sie, Gott erfreut, und höher als sie betrübt. Schändet sie, Gott ehrt. Tritt sie ab, Gott tritt bei. Verläßt sie, Gott hilft. Verstößt sie, Gott nimmt auf. Je ungnädiger Welt, je gnädiger Gott. Drum wünsche dir nicht, mein Herz, daß du der Welt gefallen mögest.